Wenn ein Fohlen die Welt erblickt, öffnet sich für jeden Stutenbesitzer eine ganz neue Welt. So viel Liebreiz, so viel süße geballte Energie. Sobald das Fohlen auf eigenen Beinchen stehen kann, will es bei seiner Mutter saugen. Es sucht nach der gehaltvollen, nährstoffreichen Muttermilch, die für die ersten Wochen die einzige Nährstoffzufuhr für das Fohlen ist. Ein Mangel an ausreichend Muttermilch kommt einer Katastrophe gleich.

Die Erstmilch, das Kolostrum, ist besonders wichtig für das Fohlen. Nicht alleine wegen der immunstärkenden Gamma-Globuline, sondern aufgrund der im Verhältnis ganz besonders hohen Spurenelementwerte. So ist der Gehalt an Zink, Kupfer, etc. im Kolostrum um ein Vielfaches höher als in der Muttermilch und dient dem Fohlen als eine Art Starthilfe. Der Spurenelementgehalt nimmt nach kurzer Zeit sehr rasch ab. Dafür ist die Stutenmilch extrem zuckerhaltig (Laktose). In den Laktionsmonaten sinkt der Protein-, Fett- und Energiegehalt, während der Laktosegehalt prozentual ansteigt.

Die Milchproduktion darf sowohl was den Energie- als auch den Mineralstoffbedarf betrifft, nicht unterschätzt werden. Im letzten Drittel der Trächtigkeit entzieht das Fohlen der Mutter durch den abschließenden Wachstumsschub hohe Mengen an allen Nährstoffen. Was allerdings dann in der Laktationsphase folgt, ist für die Stute weitere Schwerstarbeit. Der Energiebedarf des Tieres steigt zwischen der achten und zehnten Woche auf fast 140 Megajoule, 33.000 kcal pro Tag, was dem Energiebedarf zehn hart arbeitender Männer entspricht. Immerhin produziert eine Großpferdestute mit einem Körpergewicht von etwa 600 kg nahezu 20 Liter Milch pro Tag.

Täglicher Weidegang, sowie zusätzliche Kraftnahrung in Form von Hafer und selbstverständlich Stutenergänzungsfutter sind erstmal die rein energetische Grundlage für eine ausreichende Milchproduktion. Der Energiebedarf der Stute wird mit etwa 25 Kilogramm Gras, 2 Kilogramm Heu, 2 Kilogramm Stroh, 3 bis 5 kg Kraftfutter (Hafer bzw. davon mind. 2 Kilogramm Stutenergänzungsfutter) gedeckt. Der Eiweißbedarf ist ebenfalls in der Laktation stark erhöht. Limitierende Aminosäuren werden im Normalfall durch hochwertiges Gras gedeckt. Gute Stutenergänzungsfutter verfügen im Allgemeinen über einen hohen Anteil an Protein. Wünschenswert wäre dabei eher eine hohe biologische Wertigkeit des darin enthaltenen Eiweißes statt eines hochprozentigen Rohproteingehaltes, der unnötig Stickstoffentgiftungswege belastet.

Ausreichend Energie für genug Milch

Wird der Energiebedarf der laktierenden Stute nicht ausreichend gedeckt, wird sie im Allgemeinen an die eigenen körpereigenen Energiereserven gehen. Dabei werden Fettdepots mobilisiert. Die dabei freigesetzten Fettsäuren werden nur unvollständig abgebaut und es kommt zur Bildung von Ketonkörpern, speziellen Abbauprodukten, die eine übersäuernde Wirkung auf den Körper haben und sogar in der Milch nachweisbar sind.

Optimale Spurenelementversorgung

Natürlich ist zuerst an eine optimale Energie- und Eiweißzufuhr bei der laktierenden Stute zu denken. Nicht weniger wichtig ist allerdings langfristig auch die Mineralstoffversorgung. Literaturrecherchen offenbaren uns, dass ein Mangel an Spurenelementen den Milchfluss versiegen lässt. Viele Stuten haben bereits in der Trächtigkeit alles gegeben und teilweise durch unausgeglichene Mineralstoffzulagen den eigenen Bedarf nicht decken können. Deshalb beginnen sie, ihre eigenen Reserven aus Knochen, Leber und Gewebe anzuzapfen. Schließlich ist die mangelernährte Stute nicht mehr in der Lage ausreichend Milch zu produzieren.

Mineralfutterbedarf richtig einschätzen

Der Mineralstoffbedarf bezüglich der Mengenelemente Calcium, Phosphor und Magnesium verdoppelt sich in der Hochlaktation. Für die Mineralstoffversorgung empfiehlt sich im Allgemeinen ein gutes Mineralfutter. Oft ist jedoch auch bei guten Mineralfuttern der Bedarf und die Bioverfügbarkeit an Spurenelementen nicht ausreichend gedeckt. Der tägliche Bedarf einer hochlaktierenden Stute (ehemals 600 kg, während der Trächtigkeit etwa 760 kg schwer) an Zink beträgt im Minimum 600 mg, der Bedarf an Kupfer 135 mg, der Bedarf an Selen 2 mg. Da die Grundfuttermittel entsprechende Spurenelementgehalte kaum noch aufweisen, ist eine Substitution mit Spurenelementen notwendig, damit der Nährstoffstatus der Stute langfristig erhalten bleibt.

Nährstoffmängel werden nicht vererbt, sondern übertragen

Leider ist es in der Pferdezucht üblich, über die Berechnung von Energie, Eiweiß, Calcium oder Phosphor bei der Rationsberechnung Zink, Kupfer, Selen und Mangan auszulassen. Das hat meist eine mangelhafte Substitution zu Folge, so dass dann sehr lange auf die Reserven der Stute zurückgegriffen wird. Sinkende Spurenelementgehalte im Heu, entmanganisiertes Wasser, gekalkte Böden mit hohem pH-Wert und kontaminiertes Grundfutter führen dann zu einer verarmten Spurenelementsituation, die sich von der Mutterstute auf die Tochter und dann auf deren Tochter überträgt. Nährstoffmängel werden nicht vererbt, sondern übertragen und zeigen sich zur Verwunderung der Pferdehalter in der Kurzlebigkeit und Instabilität mancher durchaus talentierter Pferde.

Die Milch - Spiegel der Ernährung

Die Nährstoffsituation des Pferdes spiegelt sich in der Milchquantität- und qualität wider. Hochwertige Stoffe gelangen ebenso wie durch Fütterung aufgenommene Schadstoffe über die Milch an den Nachwuchs. Interessant ist, dass es deutliche Unterschiede beim Übergang von Nährstoffen in die Muttermilch gibt. Bei den Vitaminen werden bei ausreichender Fütterung Vitamin B2, B6, B12 und Folsäure in die Milch weitergegeben. Diese B-Vitamine stärken die Nervenkraft und die Hautgesundheit des Fohlens. Der Einfluss einer Vitamin C-Fütterung auf die Milch konnte im Gegensatz dazu nicht bewiesen werden. Auch die Spurenelemente gehen unterschiedlich in die Muttermilch über. Bereits in den 70iger Jahren wurden Tierversuche an verschiedenen Spezies gemacht, die zeigten, dass eine Nährstoffzufuhr mit Zink, Selen und Jod den Gehalt dieser Elemente in der Milch erhöht. Kupfer und Mangan können durch die Fütterung bis zu einem bestimmten Grad in der Milch gesteigert werden, um so dem Fohlen zum Beispiel für einen besseren Gelenksaufbau zur Verfügung zu stehen. Lediglich der Eisengehalt der Milch kann nicht verändert werden.

Damit eröffnet sich die große Chance, das Fohlen über die Muttermilch optimal zu ernähren. Allerdings obliegt die Mineralienzufuhr bei der laktierenden Stute einer genauen Kenntniss des späteren Übergangs in die Milch. Im Gegensatz zu den B-Vitaminen können der Stute nicht wahllos Zink oder Selen gefüttert werden, da dadurch die Gefahr besteht, dass das Fohlen zu rasch wächst und ein mangelnder Kupfer- und Manganausgleich zu deformierten Knochen oder Chipsbildung in den Gelenken führt.

Ein ausreichend hoher Spurenelementgehalt der Stute ist auch die beste Vorbeugung gegenüber Mastitis, der Euterentzündung, die normalerweise mit einer Antibiotikabehandlung einhergeht. Medikamente, wie Antibiotika, Cortison, etc. gehen ebenso über die Milch in den Nachwuchs über.

Ist eine Stute nicht in der Lage, ausreichend Milch zu liefern, spricht man davon, die "Milch liege im Schatten", das heißt, die Zitze wirft einen Schatten auf das Euter, weil jenes nicht prall ist. Durch spezifische Ernährungsmaßnahmen kann der Milchfluss erhöht werden. Dazu eignet sich die Kombination aus speziellen Kräutern, einer hochbioverfügbaren Spurenelementkombination und genügend Energie und Eiweiß aus der Futterration.

(Quelle: Dr. Susanne Weyrauch)