Warum die richtige Fütterung über den Heilerfolg entscheidet

Sowohl die Alternativ- als auch die Schulmedizin profitieren von einer bedarfsgerechten und auf die gesundheitlichen Störungen des Pferdes ausgelegten Fütterung, da die Heilung prinzipiell - unabhängig von der Wahl der Mittel - in letzter Instanz vom Körper selbst durchgeführt werden muss.
Dazu zählt zunächst hochwertiges Grundfutter wie hochqualitatives, gering kontaminiertes Heu und Stroh, sowie Hafer als Lieferant wertvoller energieliefernder Nährstoffe. Aber auch der Versorgung mit Nährstoffen, die keine Energie liefern, ist ein hoher Stellenwert einzuräumen. Sie muss der Art der Erkrankung, dem Nährstoffstatus vor der Erkrankung und dem täglichen Grundbedarf angepasst werden.

Regeneration erst durch Baustoffe möglich

Während eines Heilungsprozesses reproduziert der Körper verschiedene Gewebegruppen. Dabei werden zum Beispiel Knorpel- oder Knochenmasse aufgebaut, Hautzellen zur Teilung angeregt, Nervenbahnen wiederhergestellt, das Immunsystem aktiviert oder Muskelgruppen reaktiviert. Für diese Bau- und Aufbauleistung müssen nicht nur eine ganze Reihe spezifischer Nährstoffe zur Verfügung gestellt, sondern je nach Gewebezusammensetzung verschiedene Schlüsselnährstoffe zugeführt werden. Ob Haarkleid, Huf-, Muskel- oder Knochenmasse: jedes Gewebe verfügt über eine spezifische Nährstoffgewichtung, die entweder durch Körperreserven oder durch Nahrungszufuhr bereitgestellt werden muss. So findet man Calcium vorzugsweise in den Knochen. Zink ist besonders im Auge und in der Haut lokalisiert, Mangan in Knochen und der Gebärmutter, Kupfer und ein großer Teil der B- Vitamine in der Leber.

Wie beim Bau eines Hauses benötigt man für den regenerativen Prozess Baustoffe: Eiweiße, Mangan und Kupfer für die Rekonstruktion von Fasermaterial, Lipoproteine zur Bildung von Zellmembranen, Zink, Kupfer und Silizium für die Bildung von kollagenem Bindegewebe oder Omega-3-Fettsäuren für die Regeneration von Leber- und Nervenzellen. Wenn eine tiefe Wunde klafft und bereits Wundwasser ausgetreten ist, dann dürfen Zink, Vitamin E und weitere antioxidativ wirkende Nährstoffe für das Immunsystem nicht fehlen.

Nährstoffmängel provozieren Rückschläge

Da auch die Verteilung von Mineralstoffen in den verschiedenen Körpergeweben vollkommen unterschiedlich ist und gerade Spurenelemente und Vitamine als Coenzyme eine wichtige "Werkzeugfunktion" beim Wiederaufbau von Gewebe spielen, können auch leichte Nährstoffmängel den Heilungserfolg verzögern und im schlimmsten Fall ausbremsen, weil die Gewebe um die Nährstoffe konkurrieren.

Der Abzug von Nährstoffen aus anderen Körperregionen führt langfristig zur Entstehung von Erkrankungen an einem anderen Ort des Körpers. Daher sollte im weitesten Sinn eigentlich keine Therapie ohne ein Ernährungskonzept vorgenommen werden.

Moderne Krankheiten, hinter denen lediglich Nährstoffdefizite stehen

Die neuesten Erkenntnisse aus der Humanernährung legen nahe, dass das Metabolische Syndrom mit einem gekoppelten Mangel an Calcium und Vitamin D einhergehen. Dazu kommen massive Leberbelastungen und Spurenelemente-Mängel. Es stellt sich die Frage, ob das Equine Cushing Syndrom nicht die Folge langjährig verschleppter Nährstoffdefizite und damit verbundenem enormen Stress ist. Vor der Diagnose KPU ist zu fragen, ob der tägliche Zinkbedarf jemals wirklich über längere Zeit gedeckt war? Die Liste von vermeintlichen "Krankheiten" ist lang, die mit der Ernährung einhergehen.

Nur in den seltensten Fällen ist die Pferdefütterung bedarfsgerecht und hält den Anforderungen der heutigen Zeit stand. Die sicherste Methode eine Futterration zu überprüfen ist, sie zu berechnen. Dabei werden die Bedarfszahlen den Zahlen der Nährstoffzufuhr gegenübergestellt. Hier tun sich nach fleißigem Rechnen wahre Abgründe auf, wenn man neben Energie, Eiweiß, Calcium und Phosphor einen Blick, auf die Versorgung mit Magnesium, Zink, Kupfer oder anderen Spurenelementen wirft. Alleine der Gehalt an Zink und Kupfer im Heu ist in den letzten Jahren drastisch gesunken, so dass eine Substitution fast unumgänglich geworden ist.

Ist die Ernährungssituation geklärt, steht dem Heilerfolg nichts mehr im Wege!

(Quelle: Dr. Susanne Weyrauch)